Wednesday, January 04, 2006

Schöne Brücke, hast mich oft getragen,

Wenn mein Herz erwartungsvoll geschlagen

Und mit dir den Strom ich überschritt.

Und mich dünkte deine stolzen Bogen

Sind in kühnem Schwunge mitgezogen

Und sie fühlten meine Freude mit.

Weh der Täuschung, da ich jetzo sehe,

Wenn ich schweren Leids hinübergehe,

Daß der Last kein Joch sich fühlend biegt.

Soll ich einsam in die Berge gehen

Und nach einem schwachen Stege spühen,

Der sich meinem Kummer zitternd fügt.

Aber sie mit andren Weh und Leiden

Und im Herzen andre Seligkeiten

Trage leicht die blühende Gestalt.

Schöne Brücke, magst du ewig stehen,

Ewig aber wird es nie geschehen,

Daß ein bessres Weib hinüberwallt.

Heidelberg Gedichte

Eichendorff

denkt an seine verflossene Liebste auf der anderen Brückenseite:

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